5 besondere Skirennen der Alpen

Auch wenn Slalom, Riesenslalom und Super G technisch bisweilen anspruchsvoller sind – keine alpine Skidisziplin wird so wahrgenommen wie der Abfahrtslauf. Mittlerweile gibt es eine Reihe legendärer Rennen, die Teil des Weltcups sind. Traditionell beginnt der 1967 gegründeten Alpinen Skiweltcup im Spätherbst in Sölden am Rettenbachferner – anschließend folgen im Winter die Rennen in den Alpen, die längst zu sportlichen Großereignissen geworden sind. 

Hier 5 der wichtigsten und besondersten Abfahrten der Alpen im Überblick.

Kandahar-Abfahrt, Garmisch-Patenkirchen

Pistenlänge: 3.330 Meter
Start: 1.690 Höhenmeter
Ziel: 770 Höhenmeter
Höhenunterschied: 920 Meter
Maximal Gefälle: 92%

Die Kandahar-Abfahrt an den Hängen der Zugspitze oberhalb Garmisch-Patenkirchens gilt als einer der anspruchsvollsten Abfahrten des Skiweltcups, welcher seit 1970 hier jährlich Rennen austrägt. Auf der 3.330 Meter langen Piste erreichen Athlet*innen Geschwindigkeiten von bis zu 100 km/h innerhalb weniger Sekunden und führen Sprünge von 60 Metern aus. Ganz besonderes Highlight der Strecke ist der Freie Fall. Mit einem Gefälle von 92% ist dies die steilste Stelle des gesamten Skiweltcups. Der Start befindet sich unterhalb der Baumgrenze, sodass die Abfahrt durch Wald und schönste Natur führt.


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Profis brauchen für die komplette Abfahrt lediglich rund zwei Minuten. Nach dem tödlichen Unfall der Skirennläuferin Ulrike Maier bei dem Skiweltcup 1994, überarbeitete man die Kandahar-Abfahrt. 14 Jahre lang fanden keine Damenabfahrten statt. 2008 legte man dann die Damen (Kandahar 1) und Herren Strecke (Kandahar 2) auf unterschiedliche Trassen. Im Rahmen der Ski-Weltmeisterschaft 2011 verschärfte man zusätzlich die Abfahrt noch weiter. 

Und wer sich außerdem fragt, warum die Piste nach der drittgrößten afghanischen Stadt benannt ist – das liegt daran, dass der britische Feldmarschall Frederick Roberts, welcher zudem den Titel Earl of Kandahar trägt, Anfang des 20. Jahrhunderts ein Skirennen stiftete. Dieses wurde ab 1954 unter dem Namen Arlberg-Kandahar-Rennen am heutigen Ort in Garmisch-Patenkirchen ausgetragen. Die Rennen an der Kandahar-Abfahrt gehören zu den größten deutschen Wintersportevents. 

La Face de Bellevarde, Val-d’Isère

Pistenlänge: 2.998 Meter
Start: 2.807 Höhenmeter
Ziel: 1.848 Höhenmeter
Höhenunterschied: 959 Meter
Maximal Gefälle: 71%

Die Face de Bellevarde ist eine schwarze Skipiste und extra für die Olympischen Winterspiele 1992 konzipiert. Diskussionen zum Thema Umweltschutz wurden hierbei aufgrund von Felsprengungen losgetreten.  

Die knapp drei Kilometer lange Abfahrt führt vom Rocher de Bellverde hinab ins Tal. Bei einem Maximalgefälle von 71% werden ganze 959 Höhenmeter überwunden. Zuschauer können vom Ziel fast die komplette steile und kurvige Piste überblicken, inklusive des Starts. Da durch die Steilheit die Pistenpräperation extrem aufwändig ist, wurden neben den Olympischen Spielen lediglich die Alpine Skimeisterschaft 2009 ausgetragen, sowie seit 2007 die Weltcuprennen der Herren. Über die Jahre hinweg musste die Strecke etwas abgewandelt werden, da durch das neuere Skiequipment das Tempo auf der Ursprungsstrecke zu hoch wurde. Dennoch stieß die Piste bei den Abfahrten 2009 auf Kritik. Durch viel Wasser sorgten die Organisatoren für vereiste Abschnitt, wodurch es zu vielen Stürzen kam. 


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Lauberhorn-Abfahrt, Wengen

Pistenlänge: 4.480 Meter
Start: 2.315 Höhenmeter
Ziel: 1.287 Höhenmeter
Höhenunterschied: 1.028 Meter
Maximal Gefälle: 87%

Auf der Lauberhorn-Abfahrt an der Südschulter des Lauberhorns werden seit 1930 spektakuläre Skirennen ausgetragen und seit 1967 ist die Strecke Teil des Alpinen Skiweltcups. Die mit 4,5 Kilometern längste Abfahrt des Cups ist bekannt für ihr legendäres Panorama auf Eiger, Mönch und Jungfrau. Die Strecke stellt durch ihren abwechslungsreichen Verlauf mit scharfen Kurven, unglaublich hohe technische Anforderungen an die Skifahrenden. Berüchtigt ist besonders der Hundschopf, eine Felskante inmitten einer engen Felspassage. Die Schwierigkeit des Sprunges ist enorm hoch und bedarf Präzision.

Weitere anspruchsvolle Sprünge in Kurven folgen auf dem Restteil der Strecke. Ebenso einmalig im Weltcup ist der Streckenabschnitt durch einen sehr engen, kurzen Tunnel mit anschließendem Anstieg. Die steilste Stelle des Lauberhornrennens besitzt eine Neigung von 87%. Am Hang wurde eine Rekordgeschwindigkeit von 162 Stundenkilometern gemessen. 1991 kam es zu dem tödlichen Unfall des Skirennfahrers Gernot Reinstadler kurz vor der Zielgraden. Daraufhin wurde der Zielsprung stark überarbeitet und entschärft. Knapp 40.000 Besucher zieht es jährlich zu den Rennen auf dieser einmaligen Strecke. Im Jahr 1947 wurde das bis heute einzige internationale Lauberhornrennen mit einer Abfahrt der Damen ausgetragen.  

Saslong, Gröden / Val Gardena

Pistenlänge: 3.446 Meter
Start: 2.249 Höhenmeter
Ziel: 1.410 Höhenmeter
Höhenunterschied: 839 Meter
Maximal Gefälle: 57%

In den Dolomiten unterhalb des Langkofels schlängelt sich die knapp 3,5 Kilometer lange Saslong hinab in das Grödental. Die Abfahrt konzipierte man für die Ski-Weltmeisterschaften 1970. Bereits 1969, im Jahr zuvor, wurde die Piste im Alpinen Skiweltcups für die Herrenabfahrten genutzt und ist seither Austragungsort der FIS Ski-Weltcuprennen. Die Strecke wurde besonders auf Sicherheit hin konzipiert, sodass der Fokus der Piste auf dem technischen Können der Skifahrenden liegt.

Ein Wechsel von Sprüngen, Gleitstücken, Wellen und Kurven sorgt für die Schwierigkeit. Das steilste Stück der Saslong ist die kleine Mauer, welche eine Neigung von 57% aufweist. Darauf folgt der bekannteste Teil der Piste und eine der Schlüsselstellen im alpinen Skiweltcup, die sogenannten Kamelbuckel. Ehemals als „Sprung des Kängurus“ bezeichnet, besteht dieser Abschnitt aus drei dicht hintereinander folgenden Bodenwellen. Diese extrem schwierige Passage konnte 1980 das erste Mal von Uli Spieß sensationell übersprungen werden.

Mittlerweile entschärften die Veranstaltenden den Kamelbuckel etwas und es ist nun üblich vom zweiten über den dritten Hügel zu springen. Sprünge von bis zu 70 Meter und 7 Meter Höhe werden hier erreicht.  Der norwegische Skirennläufer Aksel Lund Svindal gewann ganze sieben Mal auf dieser herausfordernden Abfahrt. Ein anderer einprägsamer Moment in der Geschichte der Saslong geschah 2004, bei der Abfahrt des Italieners Kristian Ghedina, als sich plötzlich ein Reh auf die Strecke verirrte. 


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Streif, Kitzbühel 

Pistenlänge: 3.312 Meter
Start: 1.665 Höhenmeter
Ziel: 805 Höhenmeter
Höhenunterschied: 860 Meter
Maximal Gefälle: 85%

Die Streif ist wohl eine der berüchtigten und gefährlichsten Abfahrten der Welt. Seit 1931 werden an der Piste oberhalb von Kitzbühel die spektakulären Hahnenkammrennen ausgetragen und seit Einführung des Weltcups finden hier ebenfalls diese Rennen statt.

Die faszinierende Rennstrecke bietet viele Extremen. Der Start ist mit 50% Gefälle der steilste im Skiweltcup. Innerhalb weniger Sekunden wird hier auf 60 km/h beschleunigt und es folgt direkt der erste Sprung von bis zu 60 Metern. Die Streif besitzt außerdem berühmte Passagen wie die Mausefalle, welche mit einem Gefälle von 85% der steilste Teil der Strecke ist, den eisigen Steilhang und die Hausbergkante.

Besonders spektakulär sind die Sprünge über die Hausbergkante, da die rund 45.000 Zuschauer am Zielhang ab hier die Skirennlaufenden live sehen können. Durchschnittlich werden heute auf der Abfahrt ganze 107 km/h gefahren. Die schnellste Abfahrtszeit erreichte der Österreicher Fritz Strobl 1997, als er für die Strecke lediglich 1:51,58 Minuten brauchte. Die Streif ist anspruchsvoll und nur was für wahre Profis. Die Strecke wird extrem vereist. Dies bietet zusätzliche Schwierigkeit. Man sagte Rennen bereits wetterbedingt ab, da es auch so schon immer wieder zu schweren Stürzen kommt. 

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