Die berühmtesten Nordwände der Alpen

Nordwände sind im Alpinismus berüchtigt. Besonders die imposanten, in die tiefe fallenden Nordwände einiger Alpenbergen gelten jedoch als besonders schwierig und gefährlich. Genau deswegen sorgen, die sogenannten großen Nordwände der Alpen für Faszination bei vielen Bergsteigenden. Langezeit blieben sie unbezwungen und wurden als das letzte Problem der Alpen bezeichnet. Wir stellen euch die sechs großen Nordwände der Alpen vor. 

Nachdem beinahe alle berühmten Alpengipfel bis Ende des 19. Jahrhunderts bestiegen wurden, suchten Alpinisten nach einer neuen Herausforderung – den Nordwänden. Die Felsfronten Richtung Norden sind auf Grund ihrer schattigen Lage besonders eisig und kalt. Die Bedingungen für den Aufstieg sind alles andere als einladend, da die Verhältnisse am Fels zudem schnell umschlagen können. Nordwände gelten als schwieriger als andere Wände. Für eine Besteigung braucht man ein hohes Maß an alpiner Erfahrung. 


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Es gibt viele Nordwände in den Alpen, doch was nun eine Nordwand zu den großen Nordwänden zählen lässt, hängt nicht von ihrer Höhe ab, sondern hat meist alpinistische und historische Gründe. Das Matterhorn oder der Eiger zum Beispiel sind berühmte Berge, die es jahrelang zu bezwingen galt und die regelrecht zu alpinistischen Fixpunkten wurden. Erst in den 1930er Jahren konnten alle sechs Nordwände das erste mal durchstiegen werden.

Eiger-Nordwand

Über 1.800 Meter ragt die beeindruckende Eiger-Nordwand senkrecht empor und verleiht dem 3.967 Meter hohen Eiger in den Berner Alpen ein markantes Erscheinungsbild und internationale Berühmtheit. Die Durchsteigung der Wand gilt als eine der längsten und anstrengendsten der Alpen. Durch viele Querpassagen beträgt sich die Normalroute auf eine Länge von vier Kilometern. Das Lawinen- und Steinschlagrisiko ist außerdem hoch.

Eiger Nordwand

Als eine Wand voller Erfolge und Dramen, konnte die Eiger-Nordwand als letzte der sechs Wände, 1938 das erste Mal überwunden werden. Der Seilschaft um Anderl Heckmair, Ludwig Vörg, Fritz Kasparek und Heinrich Harrer gelang es in einer Viertagestour den Gipfel zu erklimmen. In den Jahren zuvor kam es zu vielen unerfolgreichen, dafür aber umso dramatischeren Besteigungsversuchen, wodurch die Wand “Mordwand” getauft wurde. Die Regierung des Kantons Bern erließ sogar kurzzeitig ein Besteigungsverbot. Politisch ist die Eiger-Nordwand nicht ganz unbelastet. 1936 unterstütze Adolf Hitler mit dem Versprechen auf eine olympische Goldmedaille die Besteigungsversuche. Die Erstbesteiger stritten eine Motivation dadurch ab. 

Mittlerweile gilt die erste Aufstiegsroute, auch als Heckmair-Route bezeichnet, als die Standardroute. Der Geschwindigkeitsrekord hierfür liegt seit 2015 bei 2 h 22 min. Über 30 weitere Routen wurden bis heute erschlossen. Die Gefährlichkeit der Eiger-Nordwand wird deutlich, wenn man ein Blick auf die Unfallstatistiken wirft. Insgesamt verloren 70 Bergsteiger ihr Leben bei dem anspruchsvollen Aufstieg, der teilweise den sehr hohen Schwierigkeitsgrad X auf der Kletterskala erreicht. 



Grandes Jorasses-Nordwand

Die Grandes Jorasses-Nordwand ist Teil des 4.208 Meter hohen mehrgipfligen Berges Grandes Jorasses im Mont-Blanc-Massiv an der Grenze Italiens und Frankreichs. Höchster Gipfel des massiven Felskoloss ist der östlich gelegene Point Walker. Unterhalb dieses, fällt die Nordwand etwa 1.200 Meter steil ab und fußt in dem Glacier de Leschaux. Da sie direkt zum Gipfel führt, ist sie auch als Walkerpfeiler bekannt.

Grandes Jorasses-Nordwand

Die Direktroute zum Gipfel, die heute die bekannteste ist, konnte 1938 bewältigt werden. Bei der Erstbesteigung 1935 wurde die Route über den etwas westlicher liegenden Crozpfeiler gewählt. Die Nordwand des Grandes-Jorasses ist insbesondere klettertechnisch eine extrem anspruchsvolle kombinierte Eis- und Felswand. Die Rekordzeit der Durchsteigung liegt aktuell bei 2 h 04 min, durch den Schweizer Alpinist  Dani Arnold. 



Matterhorn-Nordwand

Die wilde Nordwand des ikonischen Alpenbergs stellte nach der lange versuchten Erstbesteigung des 4.478 Meter hohen Hausbergs von Zermatt eine große Herausforderung für Alpinisten dar. Sie konnte aber dann 1931 von den Pfälzer Brüdern Franz und Toni Schmid als erste der drei letzten unbezwungenen großen Nordwände durchstiegen werden. Für diese außerordentliche Leistung wurden sie 1932 bei den Olympischen Spielen in Los Angeles mit einer Goldmedaille ausgezeichnet.

Matterhorn-Nordwand

In die Matterhorn-Nordwand kann von der Hörnlihütte auf 3.260 Meter Höhe aus eingestiegen werden. Eine Durchsteigung der Wand fordert unglaubliche Ausdauer, da es im Durchschnitt an die 14 Stunden dauert. Die 1.100 Meter lange Wand ist extrem brüchig, vereist und verschneit. Die Bedingungen sind abweisend und auch das Wetter ist oftmals schlecht. Es gibt zwei bekannte Durchsteigungsrouten, die Schmid-Route und die Bonatti-Route, allerdings ist eine Orientierung am Fels äußerst schwierig. Der Alpinist Ueli Steck stellte 2009 eine Rekordzeit auf und konnte innerhalb von 1 Stunde und 56 Minuten die Nordwand bezwingen.



Petit Dru-Nordwand

Mit einer Höhe von 700 Metern ist die Nordwand des Petit Dru eine der kleineren Wände der Alpen, aber sie ist keinesfalls zu unterschätzen. Die sehr brüchige Granitfelswand fällt steil an dem markanten, spitzen Gipfel der Aiguille du Dru, einem 3.754 Meter hohen Berg im Mont-Blanc-Massiv, ab. Besonders die Westansicht der Felsnadel der Aiguille du Dru mit ihren zwei Gipfeln, dem Petit Dru und dem Grand Dru, ist sehr bekannt. Die verborgenere, schmale Nordseite bietet durch ihre Zerrissenheit jedoch eine besonders große Herausforderung.

Aiguille du Dru
petit dru-nordwand

1935 konnte die Nordwand erstmals durch den Riss-Spezialisten Pierre Allain durchquert werden, nach dem der lange Riss durch die Wand anschließend benannt wurde. Der Petit Dru wird auch als der zerfallene Berg bezeichnet. So stellen die unzähligen Bergstürze am Hang eine besondere Gefahren bei der anstrengenden, vertikalen Kletterei dar. Viele Aufstiegsrouten wurden durch den abbrechenden Fels bereits zerstört und eine Besteigung nach Ende Juni ist nicht möglich.



Piz Badile-Nordwand

Der 3.308 Meter hohe Piz Badile, ganz im Süden des schweizer Kantons Graubünden an der italienischen Grenze, ist einer der berühmtesten Kletterberge der Alpen. Seiner markanten Form mit der messerscharfen 1.200 Meter langen Nordkante, verdankt er den passenden Namen Badile, was im italienischen “Schaufel” heißt. Am Ende der prominenten Nordkante des zerklüftete, breite Granitfels, fällt die beeindruckende 700 Meter hohe Nordwand ab.

Im Jahr 1937 gelang es dem Italiener Riccardo Cassin unter schwersten Wetterbedingungen mit seinem Team die Wand zu durchsteigen. Heftige Gewitter und am Fels herunterströmendes Wasser machten den Aufstieg fast unmöglich. Die Teammitglieder Mario Molteni, und Giuseppe Valsecchi starben beim Abstieg über die Südflanke an Erschöpfung. Riccardo Cassin, selbst hat die nach ihm benannte und sehr berühmt gewordene Via Cassin noch ganze fünf weitere Mal bezwungen. Das letzte Mal im Alter von 78 Jahren. 



Große Zinnen-Nordwand

Die Große Zinnen-Nordwand erhebt sich als kleinste der großen Nordwände 500 Meter über der alpinen Hochfläche des Zinnenplateaus. Die Wand ohne Eispassagen, formt die Nordseite der Großen Zinnen, dem höchsten und mittleren der drei berühmten Felstürme des 2.999 Meter hohen Drei Zinnen Bergstocks.

Große Zinnen-Nordwand
Drei Zinnen

Östlich von Bozen gelegen, gelten die Drei Zinnen in ihrer einmaligen Form als Wahrzeichen der Dolomiten und sind Zentrum des alpinen Kletterns. Der Gebirgsstock weist Routen aller Schwierigkeitsstufen auf und die Große Zinnen-Nordwand bietet mittlerweile insgesamt sechs bekannte Durchquerungsrouten. Als eine der unbezwingbar geltenden, letzten Alpenprobleme gelang es 1933 Emilio Comici mit Giovanni und Angelo Dimai den Gipfel über die vertikale bis überhängende Nordwand zu erreichen.



Der Stil der Besteigung löste große Kontroversen aus, da den Alpinisten vorgeworfen wurde zu viel Bergsteigeausrüstung verwendet zu haben. Die Kritik wollte Comici nicht auf sich sitzen lassen, sodass er 1937 die Nordwand alleine und größtenteils seilfrei erneut durchquerte.  

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