Fünf der bedeutendsten historischen Weltkarten

Eine fremde Stadt, eine unbekannte Adresse – das ist heutzutage alles kein Problem, denn Kartendienste wie GoogleMaps oder OpenStreetMap sind nur einen Klick entfernt, um die schnellste Route zu berechnen und gezielt zu navigieren. Eine aktuelle, detaillierte Weltkarte, mit Straßennamen, Geschäften und Restaurants, Satellitenbildern und 3D-Ansicht, in der man sich nicht einmal mehr selbst orientieren muss, ist zur Selbstverständlichkeit geworden. Doch wie sind die Menschen soweit gekommen? Wir stellen euch in diesem Beitrag fünf der bedeutendsten historischen Weltkarten vor, die unser heutiges räumliches Verständnis der Welt geprägt haben. 

Die frühsten Karten

Schon früh nutzten Menschen vermutlich Zeichnungen im Sand oder mündliche Beschreibungen, um räumliche Verhältnisse darzustellen. Eine der ältesten erhaltenen Karten stammt aus Babylonien und lässt sich ungefähr auf das Jahr 500 v. Chr. zurück datieren. Hierbei handelt es sich um simple Illustrationen auf einer Tontafel. Frühe Karten stellten meist kleinere Gebiete dar und betonten Elemente, die für den Kartografen von Bedeutung waren. Sie waren weder maßstabsgetreu, noch gab es allgemein anerkannte Konventionen wie die Orientierung nach Norden. So wirken die ältesten erhlatenen Landkarten auf uns viel subjektiver.

Land- und Weltkarten galten lange Zeit als Statussymbole und Zeichen der Macht. Sie verschafften Vorteile in kriegerischen Auseinandersetzungen, in der Seefahrt, bei Landeroberungen und der Kontrolle über diese Gebiete. 

Doch auch heutige Karten bleiben je nach Einsatzzweck und Hintergrund derjenigen, die sie erstelle und verwenden, subjektiv und vereinfachen die Darstellung der Welt, unabhängig von den modernsten Technologien und den immer präziseren Vermessungstechniken. Karten visualisieren Daten und formen die Wahrnehmung der Umwelt.

1. Ptolemäus Weltkarte (150 n. Chr.)

Um 150 n. Chr. entstand der erste bekannte Versuch einer realistischen Weltkarte durch den griechischen Mathematiker, Astronom und Geografen Claudius Ptolemäus. Für seine astronomischen Recherchen trug er detaillierte Infos über 10.000 verschiedene Städte und Orte in seinem Werk “Geographia” zusammen. Ptolemäus entwickelte ein komplexes System aus Längen- und Breitengraden, wobei seine Definition der letzteren bis heute Standard ist.

Weltkarte nach Ptolomäus Vorstellungen aus dem 15. Jahrhundert

Ptolemäus war Vertreter des geozentrischen Weltbildes, das heißt, er ging davon aus, dass sich die Erde im Mittelpunkt des Universums befindet. Dabei waren ihm wie vielen anderen in der griechischen Antike bewusst, dass es sich bei der Erde um eine Kugel handelt. In seinen geografischen Anleitungen stellte er mehrere geeignete zweidimensionale Projektionen vor. Eine veröffentlichte Karten von Ptolemäus selbst ist nicht bekannt. Lediglich Skizzen sowie detaillierte mathematische Informationen und Tabellen zur Erstellung einer Weltkarte wurden überliefert.

Anhand dieser Datensammlungen wurden jedoch um 1300 Karten, die auf seinen Vorstellungen basierten, gestaltet. Ptolemäus legte bereits damals eine Ausrichtung der Karte nach Norden fest. Auf den Karten wurden aber lediglich Europa, Asien und Afrika abgebildet und es wurde von einem indischen Binnenmeer und einem großen, unentdeckten Südkontinent dahinter ausgegangen.


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2. Mappa mundi von Fra Mauro (1457–1459)

Die Mappa mundi wurde im Auftrag des damaligen portugiesischen Königs vom venezianischen Mönch Fra Mauro und einigen seiner Schülern zwischen den Jahren 1457 und 1459 erstellt. Die extrem teuer produzierte Karte ist mit einer Größe von 2,4 x 2,4 Metern eine der größten erhaltenen Karten des frühen Europas und damit von enormer historischer Bedeutung.

Mappa mundi von Fra Mauro

Fra Mauros Mappa mundi basiert auf Elementen der Ptolemäus Weltkarte. Im Mittelalter wurde dieser zeitweilig wenig Beachtung geschenkt. Anstatt eines realistischen Ansatzes wie bei Ptolemäus dominierten biblische, unproportionale kartografische Darstellungen mit Jerusalem im Zentrum der Welt oder einer christlichen Orientierung nach Osten Richtung des vermeintlichen Paradieses. Fra Mauros Karte kann deshalb auch als Schritt beim Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit angesehen werden.

Für die Weltkarte wurden Berichte von Seefahrern ausgewertet, um den afrikanischen Kontinent anhand der neuesten Erkenntnisse darstellen zu können. Besonders die Gegend rund um Venedig und auch weite Teile des restlichen Europas sind detailliert aufgezeichnet. Der amerikanische Kontinent war zu diesem Zeitpunkt noch unbekannt. Besonderheit der Mappa mundi ist wie in der arabischen Kartografie die Ausrichtung nach Süden. 


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3. Mercators Weltkarte (1569)

Mercators Weltkarte wurde im Jahr 1569 unter dem Namen “Ad usum navigantium” vom flämischen Geografen und Kartografen Gerhard Mercator veröffentlicht und erlangte schnell internationale Bekanntheit. Es war die erste Weltkarte, die eine winkeltreue Projektion nutzte, welche später als Mercator-Projektion bekannt wurde.

Erste Mercator Projektion von 1569

Es war eine neue Repräsentation der uns heute bekannten, vollständigen Weltkugel, die auf den damaligen aktuellsten technischen und naturwissenschaftlichen Erkenntnissen basierte. Besonders für die Seefahrt war sie lange von großer Bedeutung. Bis heute ist Mercators Kartennetzentwurf Abbildungsgrundlage für alle Karten zur Navigation. Das gilt auch für Online-Kartendienste wie beispielsweise Bing Maps oder Google Maps.

Mercator übertrug die Kugeloberfläche der Erde als Zylinderabbildung auf eine zweidimensionale Fläche, was unter anderem ermöglicht, bei der Seefahrt gesteuerte Kurse als Gerade einzutragen. Mercators Karte wies bereits eine enorme Darstellungsgenauigkeit auf, wobei jedoch durch die Projektion eine Verzerrung der Erdoberfläche mit sich bringt. Das heißt, je näher ein Gebiet am Nord- oder Südpol liegt, desto größer wird es im Vergleich zu den Gebieten, die sich nah am Äquator befinden, abgebildet.

Insgesamt entstanden bis zum Jahre 1594 circa 300 als Kupferstich gedruckte Kartenexemplare, von denen elf von Hand koloriert wurden. Heute sind lediglich drei Originale erhalten. 

4. Theatrum Orbis Terrarum (1570)

Der Theatrum Orbis Terrarum gilt als erster moderner Atlas und bietet eine Zusammenfassung der wichtigsten kartografischen Entwicklungen des 16. Jahrhunderts.

Weltkarte aus dem Theatrum Orbis Terrarum Atlas

Die Erstauflage wurde 1570 vom flämischen Geografen Abraham Ortelius veröffentlicht und bestand aus einer Sammlung von 53 einzelnen Karten zeitgenössischer Kartografen sowie aus einem Buch mit beigefügten Texten und Kommentaren von Ortelius selbst. Die Karten wurden nach Land und Kontinent geordnet. Ortelius verbesserte und erweiterte den Atlas kontinuierlich und so wurden bis zu seinem Tod im Jahre 1598 weitere 25 überarbeitete Auflagen publiziert. Ebenso erschien neben der lateinischen Version eine niederländische, deutsche und französische Übersetzung. Der Atlas erfreute sich auch über Ortelius’ Tod hinaus einer großen Nachfrage, so dass weitere Neuauflagen erschienen. 

5. James Cooks Karten der Südhalbkugel (1777)

Zu den bedeutendsten Abschnitten der britischen Seefahrtsgeschichte zählen mit Sicherheit die Expeditionen des Kartografen und Entdeckers James Cook im Namen der britischen Krone in den Jahren ab 1768. Cook erkundete und kartografierte hierbei die Südhalbkugel und den Pazifischen Ozean wie bis dato niemand zuvor. Dabeu konnte er unter anderem die bis dahin angenommene Existenz eines gigantischen Südkontinents widerlegen. Als erster Europäer betrat James Cook das heutige Australien und erstellte präzise Landkarten von Australien und Neuseeland. Das antarktische Festland erkundete er nicht, aber in seinen Berichten finden sich bereits Bemerkungen über Eisberge und -schollen im südlichen Meer. Cooks nach den Expeditionen entstandene Karte mit dem Titel “A Chart of the Southern Hemisphere; shewing the Tracks of some of the most distinguished Navigators” dokumentierte die wichtigsten Routen von Expeditionen auf der Südhalbkugel zwischen 1595 und 1775.