Kartenzentrierung – wo liegt das Zentrum der Welt?

Weltkarten, besonders diejenigen, die uns seit Kindheitstagen vertraut sind, prägen unser Verständnis der Länder der Erde. Sie geben uns ein Gefühl dafür, welche Regionen eine zentrale Rolle spielen und welche für uns weniger bedeutend sind, da sie sich am Rand befinden. Dabei sollten wir immer im Hinterkopf behalten, dass eine flache Karte grundsätzlich eine verzerrte Darstellung einer runden Erdoberfläche darstellt, um zu verstehen, dass unsere gewohnte Sichtweise weder unstrittig noch objektiv ist.
Denn es gibt viele weitere Möglichkeiten, die Welt zu betrachten.

Die Australien-zentrierte Weltkarte

Weltkarte für Australien
(via reddit)

Diese Weltkarte rückt Australien ins Zentrum und stellt unseren gewohnten Blick auf die Länder der Erde buchstäblich auf den Kopf. Die zentrale Achse, der Nullmeridian dieser Karte, befindet sich nahe Adelaide im südöstlichen Teil Australiens. Durch die umgekehrte Ausrichtung, in der der Süden oben ist, befindet sich auch Australien in der oberen Kartenhälfte.

Diese Art, die Welt darzustellen, wirkt auf uns in Europa eher ungewohnt und exotisch, aber der weitgehende Konsens, Weltkarten nach Norden auszurichten, beruht natürlich nur auf einer willkürlichen Entscheidung. Betrachtet man die Erde aus dem Weltall, ist jeder Blickwinkel gleichberechtigt.

Die China-zentrierte Weltkarte

China Weltkarte
(via visiontimes)

Diese Weltkarte stellt genau genommen nicht China, das „Reich der Mitte“, sondern den westlichen Pazifischen Ozean ins Zentrum. Dadurch wirken Asien, Australien und (Nord-)Amerika als die Kontinente mit Pazifikzugang zentraler. Europa und Afrika am linken Kartenrand, aber auch Brasilien im Osten Südamerikas erscheinen dagegen eher als die Peripherie.

Die Amerika-zentrierte Weltkarte

(via quora.com)

Auf dieser Weltkarte liegt der amerikanische Konzinent zentral, umgeben von Pazifik und Atlantik. Russland und China sind auf dieser Karte geteilt, mit ihren westlichen Landesteien rechts und den östlichen auf der linken Kartenseite. Dafür sieht man im Gegensatz zu mancher Europa-zentrierten Karte deutlich, wie nahe der asiatische und der nordamerikanische Kontinent im Norden beieinander liegen.

Auf der gezeigten Karte ist zudem der Äquator in die untere Kartenhälfte verschoben. Die südliche Begrenzung der Karte ist auf dem 60. Breitengrad, und damit im Norden des südlichen Polarkreis, so dass die Antarktis hier praktisch gänzlich fehlt. Die nördliche Polregion wird hingegen fast vollständig gezeigt.

Die winkeltreue Mercartor-Projektion der Karte ist bekannt dafür, die Landmassen der Nordhalbkugel deutlich größer darzustellen, als sie es in Relation zu den Äquator-nahen Ländern im Süden sind. Selbstverständlich gibt es jedoch auch amerika-zentrierte Weltkarten, bei denen ein anderer Kartennetzentwurf verwendet wird.

Die Afrika-zentrierte Weltkarte

Weltkarte für Südafrika
(via drive2.ru)

Auf dieser Weltkarte befindet sich der afrikanische Kontinent im Zentrum. Wie die australische Karte ist diese Weltkarte nach Süden ausgerichtet, womit Afrika im oberen Kartenteil liegt. Die Südspitze Afrikas befindet sich wie eine Halbinsel zwischen Indischem und Atlantischen Ozean. Die pazifischen Regionen, sowie Russland und Kanada werden im unteren Kartenbereich dagegen eher als Randbezirke wahrgenommen.

Die Europa-zentrierte Weltkarte

(via amazon)

Zuletzt schauen wir uns eine vertraute Europa-zentrierte Weltkarte an. Der Nullmeridian verläuft durch Greenwich in London. Amerika, Ostasien und Australien befinden sich eher am Rand. Der Pazifische Ozean am linken und rechten Kartenrand wird hier nicht als integraler Raum wahrgenommen.

Auch auf dieser Karte ist der Äquator in die untere Kartenhälfte verschoben. Dadurch endet sie knapp unterhalb des südlichen Polarkreises, womit die Antarktis fast vollständig abgeschnitten ist.

Der hier gewählte, vermittelnde, und damit nicht flächentreue Kartennetzentwurf verzerrt die Größenverhältnisse zwar nicht so stark wie die Mercartor-Projektion. Trotzdem werden die europäischen Länder im Vergleich zu den afrikanischen immer noch verhältnismäßig größer dargestellt, als es den wahren Größenverhältnissen entsprechen würde.

Welche Karte ist die richtige?

Bei Karten gibt es – sofern die Daten auf ihnen korrekt sind – kein richtig und falsch. Das gilt für die Projektion ebenso wie für die Frage, wo man eine Karte zentriert und wie man sie ausrichtet. So gibt es neben den von uns gezeigten Karten eine nahezu unbegrenzte Zahl weiterer Möglichkeiten. Wir zeigen hier eine Auswahl von Karten mit unterschiedlicher Lage des vertikal verlaufenden Nullmeridians, sowie mit unterschiedlichen Ausrichtungen nach Norden oder Süden. Ebenso wäre eine Ausrichtung nach Osten oder Westen vorstellbar. Außerdem muss eine Karte horizontal nicht zwingend auf oder nahe des Äquators ausgerichtet sein, wie in den von uns gezeigten Beispielen. Genau so gut könnte man stattdessen etwa eine der Polregionen ins Zentrum einer Weltkarte rücken.

Weltkarten haben unterschiedliche Einsatzzwecke und so ist es vollkommen normal, dass in unterschiedlichen Erdteilen verschiedene Darstellungen der Erdoberfläche vorherrschend sind.


Eine Weltkarte zum Ausmalen und Bekleben

Die Marmota Maps Weltkarte ist klassisch Europa-zentriert. Die zurückhaltende Gestaltung lässt dir aber die Möglichkeit, jede Erdregion deiner Wahl besonders hervorzuheben.

Einen hervorragenden Überblick über die vielen verschiedenen Möglichkeiten der Darstellung von Weltkarten findest du auf der Webseite kartenprojektionen.de. Mit ihrem Betreiber haben wir zudem ein interessantes Interview über das Thema „Kartennetzentwürfe / Projektionen“ geführt . Hier erfährst du unter anderem, weshalb Weltkarten nicht zwangsläufig im rechteckigen Zylinderentwurf gestaltet sein müssen.