Es gibt so viele interessante Dinge zu tun

– Katharina Kestler von outville.cc im Interview –

Katharina Kestler haben wir vor 2 Jahren kennengelernt, weil sie im BR über die erste Skikarte berichtet hat. Seitdem folgen wir ihr auf Instagram und staunen einfach nur, was sie alles macht. Katharina ist wirklich ein Vorbild, wie man 100% ins Outdoor-Leben stecken kann.


Wenn sie nicht in Japan oder Norwegen Skifährt oder gerade die Alpen durchquert, betreut sie social Media Formate beim BR, veröffentlicht ein Online Magazin und erobert regelmäßig mit etwa 50 Münchner Frauen die Berge. Wahnsinn! Los gehts mit dem Interview.

Hi Katharina, willkommen. Woher kommt die Leidenschaft für die Berge?

Entweder sind es die Gene oder es wurde mir anerzogen. Eigentlich bin ich in Bamberg aufgewachsen, aber meine Eltern sind egal ob Sommer oder Winter mit uns immer in die Berge gefahren. Das hat wohl bleibende Schäden hinterlassen.

Hast du Lieblingsorte in den Bergen oder suchst du immer was Neues?

Beides. Es gibt Orte, die mir einfach viel bedeuten. Nicht weil sie zwangsläufig so schön wären, aber weil ich dort viel Zeit verbracht habe oder sie mit etwas positivem verbinde. Serfaus zum Beispiel, da habe ich Skifahren gelernt und heute noch fahre ich da einmal im Jahr mit meinen Eltern hin. Oder der Gardasee. Da saß ich zum ersten Mal auf dem Mountainbike. Klar, diese Orte haben ihre negativen Seiten, aber egal. Da geht’s eher ums Gefühl. Und natürlich probiere ich noch neue Sachen aus. Es gibt so viele, so schöne Berge – und so wenig Zeit!

Gefühlt bist du immer unterwegs? Wieviel Zeit im Jahr verbringst du in den Bergen?

Ehrlich gesagt: Keine Ahnung. Ich hatte die letzten drei Jahre jeweils immer ungefähr 50 Skitage. Im Sommer führe ich keine Liste, aber wenn ich zwei Wochenenden am Stück in der Stadt bin, werde ich langsam nervös.

Was waren deine Highlight-Erlebnisse?

Puh. Das ist eine schwere Frage. Klar denk ich da an die Woche Heliskiing in Kanada oder meine beiden Ski-Urlaube in Japan.
Aber auch ein Wanderurlaub mit meinen Eltern und meiner Schwester in Sexten steht ganz oben auf der Liste – die Dolomiten sind einfach schwer zu überbieten. Außerdem mein Ausflug einmal rund um die Sella Ronda mit dem Rennrad, unsere Rennrad Tour von München nach Bozen, der Freeride Alpencross von Livigno ins Kleinwalsertal, bei dem ich vergangenen Winter dabei sein dufte, fast jeder Skitag bei meinen Freunden am Arlberg in Stuben, Biken mit meinem Freund im Herbst am Gardasee… Manchmal hab ich ernsthaft Angst, dass mein Leben so voller Highlights ist, dass ich sie gar nicht verarbeiten kann und irgendwann den Wert der einzelnen, kleinen Momente nicht mehr zu schätzen weiß. Ich versuche mich regelmäßig daran zu erinnern und bescheiden zu bleiben.

OK, du warst dieses Jahr in Japan, in Norwegen und bist über die Alpen mit Skiern gereist. Sehr viel.  Wie schaffst du das mit dem Rest deines Lebens zu vereinbaren?

Gar nicht. Naja, ganz so schlimm ist es nicht, aber trotz Freelancer Dasein und obwohl ich Arbeit und Freizeit meistens gut verbinden kann, bekomme ich mein Leben nicht immer auf die Reihe. Beziehung funktioniert sowieso nur, wenn dein Partner deine Leidenschaften einerseits teilt und dir andererseits auch eine große Portion Freiheit lässt. Und einen Winter wie den vergangenen, den merke ich massiv an den roten Zahlen auf dem Kontoauszug, die monatelang nicht verschwinden wollen – obwohl das eigentlich gar nicht meine Art ist. Sagen wir so: Ein geregelter Lebenswandel wäre manchmal schon nicht schlecht. Eben nicht wochenlang draußen rumhängen und das Geld verprassen, um dann zurück in München, Doppelschichten zu schieben, damit das Konto wieder voll wird und dabei keine Zeit für Sport, gesunde Ernährung, Freunde oder mein Patenkind Lotta zu finden. Aber es gibt so viele interessante Dinge zu tun – ich kann einfach nicht nein sagen!

Was machst du überhaupt sonst so?

Ich bin ausgebildete Journalistin und – überraschenderweise – vor allem im Sport- und Outdoorbereich unterwegs. Außerdem mach ich im selben Themenbereich noch viele andere Dinge: Social Media Beratung, Pressearbeit, Moderationen… Das hat sich irgendwie so ergeben und es ist natürlich ein extremer Luxus, dass ich meine Interessen so gut mit meiner Arbeit kombinieren kann. Aber klar, Feierabend und Urlaub hat man dann auch nie so richtig. #firstworldproblems

Du bist auch bei Outville.cc dabei? Was ist das genau und was ist euer Plan?

Im Moment ist Outville ein Online-Magazin, dass das Thema Outdoor ein bisschen lifestyliger und thematisch breiter behandelt und andere so zum Rausgehen inspirieren will. Es geht dabei nicht um krasse, sportliche Leistungen am Ende der Welt, sondern um persönliche Geschichten von echten Menschen, die Outdoor nicht nur als Sport, sondern als Lebensgefühl begreifen und deren Entdeckerdrang oft direkt vor der Haustüre startet. So in etwa steht es in „über uns“. Am besten SOFORT den Newsletter abonnieren, dann erfahrt ihr auch, was der „Plan“ ist. J

Weiterhin engagierst du dich bei den Munich Mountain Girls. Macht ihr gemeinsam Sport oder wollt ihr auch eine Botschaft aussenden? Wenn ja, wofür?

Die Munich Mountain Girls sind eine Community bergsportbegeisterter Frauen aus München. Ja, wir gehen zusammen raus und machen Sport. Wir gehen aber auch zusammen Bier trinken und diskutieren zum Beispiel über neue Rucksäcke und geben uns Tipps – von interessanten Klettersteigen bis zu freien Jobs oder verfügbaren Wohnungen. Man vernetzt sich, inspiriert sich und lernt voneinander – nicht nur für den Sport, sondern auch fürs Leben. Für alle, die wie ich kaum Frauen kennen, die dieselben Leidenschaften teilen, ist das sehr wertvoll. Und – da kann ich jetzt aber nur für mich sprechen – ich möchte schon eine Message senden. Wie heißt es so schön: You can’t be, what you can’t see. Oder: Sei der Mensch, den du gebraucht hättest, als du jung warst. Das versuche ich zu sein. Denn starke, individuelle Frauen(vor)bilder bekommen meiner Meinung nach immer noch zu wenig Sichtbarkeit in den Medien und in der Gesellschaft. Ich glaube, die Munich Mountain Girls sind ein gutes Vehikel für starke Frauenbilder.

Du bist ultraaktiv auf Instagram und hast auch recht viele Follower. Ist das für dich beruflich wichtig?

Was es am Ende bringt ist natürlich schwer zu sagen, aber ich kann mich über Instagram natürlich gut für bestimmte Themen platzieren oder vermarkten. Auch Outville-Gründer Christian ist über Instagram auf mich aufmerksam geworden – und die Munich Mountain Girls sind anfänglich auch über Instagram entstanden. Manche Trips, die über Instagram entstehen, kann ich als Artikel oder Beitrag verarbeiten. Ich versuche es trotzdem nicht als Job oder Teil meines Jobs zu sehen, sonst werde ich verrückt.

Wenn du dir die Entwicklung der Alpen anschaust? Gäbe es was zu kritisieren?

Viel. Ich bin kein Freund von durch industrialisierten Skigebieten mit 8er Sesseln mit Sitzheizung, riesigen Selbstbedienungsrestaurants oder komplett gebauten Bikeparks, die kein Fitzelchen Naturtrail mehr übrig lassen. Wie die Berge zugebaut werden, tut mir weh. Am Wochenende wär ich auch lieber alleine am Berg. Am Ende kaufe ich mir dennoch wieder einen Skipass oder fahr in den Bikepark… Und ich selbst mach die Berge ja auch „voller“. Ich muss mich zurück halten mit der Kritik, solange ich selbst nicht darauf verzichte.

Was steht noch auf deiner Bucket List, was unbedingt abgearbeitet werden muss?

Puh. So viel. Vielleicht mal was eher überraschendes: Ich würd gern mal nen richtigen Segeltrip machen, am liebsten gleich über den Atlantik oder so.

Kaddi, danke für das Gespräch.

 

Alpenkarte mit über 600 Skigebieten

Die erste länderübergreifende Karte der Alpen mit mehr als 600 Skigebieten (≥ 5 Pistenkilometer).