Die erstaunliche Geschichte hinter PeakFinder

– Fabio Soldati im Interview –

Vor ein paar Tagen hat ein “Fabio Soldati” von PeakFinder eine Karte bei uns bestellt. Das hat im Marmota Maps Hauptquartier zu Jubelsprüngen geführt, denn PeakFinder ist nicht irgendein Unternehmen: Es ist die App, die jeder Bergliebhaber auf dem Smartphone haben sollte. Eine simple aber sehr intelligente App, mit der man die Berge um sich herum bestimmen kann. Ich benutze sie ständig, und bin immer wieder begeistert wie intuitiv und nützlich sie ist. Und deshalb haben wir die Gelegenheit genutzt, nachzuforschen, wer und was hinter dieser extrem erfolgreichen App steckt. Und es stellt sich heraus: PeakFinder ist eine One Man Show, programmiert und betrieben von einem Outdoor-Liebhaber aus der Schweiz, Fabio Soldati. Hier erfahrt ihr, wie er auf die Idee zur App kam, woher die Daten kommen und was genau eigentlich das schönste Erlebnis von ihm in den Bergen war.

PeakFinder App Screenshot

Guten Tag Fabio, zuerst eine emotionale Frage. Hast du einen Lieblingsberg?

Campen am Gotthard

Zwischen dem Gotthard- und Lukmanierpass gibt ein schönes Bergseelein wo ich fast jedes Jahr mal mein Zelt aufstelle. Ich steige dann meistens in der Dämmerung auf einen naheliegenden Berg mit einer atemberaubenden Panoramasicht über die Tessiner Alpen und geniesse von dort den Sonnenaufgang. Wie der Berg heisst, weiss ich grad nicht. Ich kann mir Bergnamen schlecht merken. Deshalb hab ich wohl die PeakFinder App programmiert.

Mal kurz und knapp: Wofür ist die App von PeakFinder da und was schätzen die Kunden so an ihr?
Auf vielen bekannten Bergen oder Aussichtsplattformen stehen Panoramatafeln, die uns eine Orientierung der entsprechenden Aussicht geben. PeakFinder macht genau das. PeakFinder ist eine mobile Panoramatafel die weltweit funktioniert. Die App zeichnet ein 360° Panorama mit allen sichtbaren Bergen von einem beliebigen Standort aus. PeakFinder ist schnell, übersichtlich, nicht allzu gross und einfach in der Bedienung. Seit vielen Jahren investiere ich viel Zeit in die Optimierung von kleinen Details. Mit der steigenden Rechenleistung der Smartphones entstehen für Apps wie PeakFinder stets neue Möglichkeiten. Vor drei Jahren habe ich die App praktisch von Grund auf neu programmiert. Mit dem neuen Konzept kann PeakFinder nun wie ein Vogel von Berg zu Berg fliegen. Der Benutzer kann dadurch neue Berglandschaften entdecken. Ich denke diese teilwiese verspielten Weiterentwicklungen gefallen den Kunden.

Erzähl noch einmal die Gründungsgeschichte. Die App ist aus einem Zwist um einen Berggipfel entstanden. Wie lange hat es dann von der Idee bis zur App gedauert?
Ich habe vor etwa 10 Jahren meinen Job als Projektleiter von Softwareprojekten hingeschmissen und bin nach Südamerika gereist. Zurück in der Schweiz wusste ich nicht so recht was ich machen soll. Auf einer Wanderung mit meiner Schwester und ihrem Mann kam mir die Idee. Die beiden hatten einen Zwist um einen Bergnamen. Ich selbst hatte keine Ahnung von den Bergnamen. Fand das aber ein technisch spannendes Problem. Nach einigen Recherchen sah ich einen gangbaren Weg für die Umsetzung. So hab ich mir die notwendige Hardware besorgt und reiste wieder nach Südamerika. Den Hauptteil der App habe ich während etwa vier Monaten in Buenos Aires programmiert. Zurück in der Schweiz brauchte ich neben vielen Testwanderungen nochmals zwei Monate für die Fertigstellung.

PeakFinder App Screenshot

Als geographie-Interessierter Mensch eine technische Frage: woher kommen die Daten und wie schaffst du es, sie so umzubauen?
PeakFinder nutzt ein digitales Höhenmodell. Die NASA bietet ein solches Model für die ganze Welt an. Anhand des Höhenprofils berechnet PeakFinder die Bergkonturen. Die Berechnungen selbst sind eigentlich nicht sehr komplex. Die Herausforderung ist die grosse Datenmenge, die verarbeitet werden muss. Bei gutem Wetter können auch sehr weit entfernte Berge gesehen werden. Der Berechnungsradius von PeakFinder liegt bei über 300km. Für die Flugfunktion muss PeakFinder diese umfassenden Berechnungen in Sekundenbruchteilen schaffen. Oben auf die Bergkonturen kommen dann die Bergnamen. Diese bezieht die App hauptsächlich von openstreetmap.org. OpenStreetMap ist das Wikipedia für Online-Karten. Freiwillige Helfer fügen fortlaufend neue Daten zu diesem Kartenprojekt hinzu. Über GPS und die Smartphone-Sensoren stellt die App dann den entsprechenden Bildausschnitt dar. Seit einiger Zeit kann die Panoramazeichnung auch mit dem Kamerabild überlagert werden. Über diese Erweiterung können Bergfotos mit den Bergnamen exportiert werden.

War es schon immer die Idee, die Berge zu zeichnen? Warum hast du dich nicht für eine plastischere Variante entschieden?
Die Idee für diese reduzierte Darstellung in schwarzweiss kann sehr früh. Mir gefielen schon immer diese sehr detaillierten, alten, von Hand gezeichneten Panoramazeichnungen. Die plastischeren Varianten sehen häufig wie Mondlandschaften aus und werden aus meiner Sicht der Schönheit von echten Bergen nicht gerecht. Meine Vision mit PeakFinder ist es diesen alten Panoramazeichnungen noch viel näher zu kommen. Ich experimentiere da immer mal wieder mit neuen Algorithmen. Die schwarzweiss Darstellung hat auch den Vorteil, dass sie bei Sonneneinstrahlung den höchsten Kontrast bietet.

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Mit Informationen zu jedem Berg

Wie hast du es Geschafft, die App so erfolgreich zu machen?
So genau kann ich das nicht sagen. Ich mach praktisch keine Werbung für die App. Für PeakFinder ist schönes Wetter die beste Werbung. Dann gehen die Leute in die Berge und zeigen die App ihren Freunden. In Monaten wie dem November verkaufe ich deutlich weniger Apps als im Hochsommer. Ich versuche mit PeakFinder ein ehrliches Produkt anzubieten. Da es keine externen Investoren gibt, kann ich alle Entscheidungen für die Weiterentwicklung selbst treffen. So hat PeakFinder im Gegensatz zu sehr vielen anderen Apps zum Beispiel kein Datentracking eingebaut. PeakFinder enthält keine Werbung und alle Updates sind kostenlos. Da ich schon eher ein Nerd bin, treiben mich vor allem die technischen Möglichkeiten und Herausforderungen an. So kann ich tagelang an Details optimieren wo man aus finanzieller Sicht vermutlich schon lange Stop gesagt hätte. Ich denke aber, dass diese Grundhaltung letztendlich in der App sichtbar ist und so PeakFinder zu einem sympathischen Produkt macht.

Machst du eigentlich alles allein oder hast du mittlerweile ein Team?
Ich mach alles alleine. Mir liegt diese Autonomie sehr. So kann ich meinen Tagesablauf sehr flexibel gestallten. Da ich vor dem Bildschirm selten die grossartigen Ideen habe, gehe ich bei guten Wetterverhältnissen oft spontan in die Berge und hoff dort auf Geistesblitze. Mit Angestellten wären diese Freiheiten wohl eingeschränkter.

Nach allem was ich herausfinde bist du ein wenig der prototypische digitale Nomade und sehr viel unterwegs. Stimmt das?
Ein Stück weit wohl schon. Wobei heute programmiere ich das Meiste von Zürich aus. Ich arbeite in einem schönen Gemeinschaftsatelier mit vielen anderen Freischaffenden zusammen. Heute versuche ich die Arbeit mehr von der Freizeit zu trennen. Ich tauche auch immer wiedermal komplett offline für einige Tage in den Bergen ab. Das gibt mir einen klaren Kopf.

Was waren die Reisen, die dich am meisten beeindruckt haben?
Vor ein paar Jahren bin ich den John Muir Trail in Kalifornien gewandert. Dieser führt 350km durch eine wilde, alpine Landschaft. Es gibt keine Infrastruktur, nur reine Wildnis. Das alleine zu machen war körperlich und auch psychisch für mich sehr anspruchsvoll. Es war aber eine wunderschöne Erfahrung. Letztes Jahr war ich lange in Indien. Dort gefielen mir die vielen Farbe, Klänge und Gerüche. Ich mag diese Gegensätze von Wildnis und Einsamkeit und dem vollen und bunten Leben sehr.

So hat Fabio den Sonnenaufgang am Mount Whitney erlebt

Woher kommt überhaupt diese Leidenschaft für die Berge?
Als Schweizer war ich schon als Kind viel in dem Bergen. Ich bin mit meinen Eltern wandern und skifahren gegangen. So richtig die Schönheit der Berge habe ich aber erst mit der Entwicklung von PeakFinder entdeckt. Ich habe begonnen die Berge genauer zu beobachten. Ihre Konturen und Entstehungen zu verstehen. Und wie die Berge und Täler miteinander verbunden sind. Die Berge sind für mich heute auch ein wichtiger Ausgleich zu meiner Arbeit am Bildschirm. In den Bergen kann ich neue Energie tanken. Ich übernachte deshalb oft gerne in einem Zelt in den Bergen. So ein Wochenende weg von allem macht mich sehr zufrieden.

Neben PeakFinder hast du ja auch eine neue Idee am Start: EchoTopos. Erklär doch kurz, worum es geht.

Mit der Idee für EchoTopos kam der Schweizer Stimmkünstler Christian Zehnder auf mich zu. Wenn er in den Bergen ist, jauchzt er gerne an eine Bergwand und ist fasziniert vom Echo, welches zurück kommt. Mit EchoTopos haben wir ein Archiv von akustisch interessanten Standorten in den Schweizer Alpen erstellt. Über die EchoTopos-App können diese Standorte gefunden und auch neue Orte erfasst werden. Daneben gibt es auch Tonaufnahmen von verschiedenen Künstlern, die mit dem Echo experimentieren.

Was hast du für die Zukunft geplant. Wird PeakFinder noch größer und besonderer werden? Oder gibt es noch andere Pläne?
Die Ideen für PeakFinder gehen mir noch nicht aus. Ich möchte die App aber nicht unbedingt grösser, sondern vor allem einfacher und intuitiver machen. Zurzeit arbeite ich an einen besseren Höhenmodell, damit die Darstellung noch präzisier wird.

Welches Reiseziel möchtest du gern noch entdecken?
Die nächste grosse Reise möchte ich in den Norden von Indien und Nepal machen. Der Himalaya reizt ich sehr.

Dann viel Spaß, Fabio, und danke für das Gespräch.

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