Skibindung selbst montieren

Montageschablone erstellen

Für die Montage wird zunächst eine passende Gebrauchsanleitung für den Bindungstyp benötigt. Hier stößt man meist auf das erste Problem, nämlich dass typischerweise bei einer gebrauchten Skibindung die Montage Anleitung bzw. Montageschablone fehlt und nicht jeder Hersteller ist bereit diese einem zukommen zu lassen. Allerdings kann man oftmals diese Schablonen für sein Bindungsmodell online zum ausdrucken finden.

Skibindung selbst montieren

Beim ausdrucken solltest du darauf achten, dass die Skalierung auf 100% eingestellt ist, da ansonsten der Ausdruck verkleinert wird und demzufolge die Lochabstände zum montieren nicht mehr stimmen.

Falls die Schablone zu groß ist, könnt ihr diese auch in zwei Teilen ausdrucken und zusammensetzen. Handelt es sich z.B. um eine Bindung mit der Größe L, sollten die zwei Schablonenteile bei der Large Markierung 320mm zusammengesetzt werden, um einen nahtlosen Anstoß zu haben. Ob die Schablone korrekt zusammengefügt ist, lässt sich anhand der Mittellinie kontrollieren. Die weißen Ränder können zum Rand hin mit einem Cutter abgeschnitten werden, damit wenn die Schablone auf dem Ski platziert wird, die Skalierung einfach ablesbar wird und das Ganze mittig auf dem Ski platziert werden kann.  

Den Skischuhmittelpunkt herausfinden

Wenn die Schablone fertig ist, kannst du deinen neuen Ski zur Hand holen um herauszufinden wo die Bindung angebracht werden muss. In der Regel ist auf dem Ski markiert, wo die Mitte des Skistiefels zu sein hat. Diese Markierung kann von Ski zu Ski unterschiedlich aussehen. Manche Hersteller von Freeride Ski kennzeichnen dies als einen Bereich aus, um verschiedene Montierungsvarianten möglich zu machen. Willst du einen eher drehfreudigen Ski, dann setze die Bindung nach vorne. Willst du jedoch lieber einen stabilen, geradeaus laufenden Ski dann kannst du die Bindung weiter hinten montieren. Bei anderen Ski kann diese Markierung aber auch nur ein einziger Strich sein, an dem Boot Center Mark oder eine ähnliche, meist englische Auszeichnung geschrieben steht.

Die Schablone richtig platzieren

Den Punkt nach dem die Fußmitte des Schuhs montiert werden soll wird markiert, damit er leicht wiederzufinden ist. Die Schablone erhält ebenfalls eine Markierung an der Millimeterzahl, die der Skischuhsohlenlänge entspricht. Nun wird die Schablone aufgelegt, so das beide Markierungen deckungsgleich sind. Anschließend wird mit Hilfe der Skalierungsmarken die Schablone an der Stahlkante von oben gesehen zentriert und an beiden Seiten auf dem Ski festgeklebt. Wichtig: Achte darauf, dass die Schablone in die richtige Richtung zeigt, d.h. Ski tip sollte in Richtung Schaufel ausgerichtet sein.  

Bohrlöcher markieren

Nun können die Bohrlöcher durch die Schablone hindurch mit einem Körner Werkzeug markiert werden. Es sind vorne und hinten jeweils vier Löcher. Bei Extended Power Frame Bindungen befindet sich in der Mitte noch ein weiteres Loch, welches nicht mit der Sohlenmitte verwechselt werden darf. Wenn du alle neun Bohrlöcher markiert hast, kann die Schablone entfernt werden und für den anderen Ski verwendet werden. 

Bindungslöcher bohren

Zum bohren der Bindungslöcher greift der Profi zu einem sogenannten Bindungsbohrer. Diese haben einen stumpfen Anschlag, d.h. sie können nicht tiefer bohren als sie sollen, weswegen es das Bohren von Bindungslöchern sehr vereinfacht. Da die wenigsten einen solchen Bohrer besitzen, kann sich anderweitig weitergeholfen werden. Der Bindungsbohrer hat eine Bohrtiefe von 9,5 mm. Vermisst man die Heckplatte von seiner Bindung, findet man heraus, welche Bohrtiefe tatsächlich benötigt wird. Diese ist meistens geringer. 

Aus dem Baumarkt besorgt man sich ein Aluminiumröhrchen mit einem Außendurchmesser von 6mm und einer Wandstärke von 1 mm, welches einen Innendurchmesser von 4 mm macht. Dies ist optimal für das Bohren der Verbindungslöcher, da üblicherweise ein Bohrer mit 3,8 mm oder 4,1 mm Durchmesser verwendet wird. Die meisten Skihersteller geben einen zu verwendenden Wert aber auch an. 

Von dem Alluminiumröhrchen schneidet man sich ein Stück ab und setzt es über den lose eingespannten Bohraufsatz. Nun kann man hier die zuvor an der Heckplatte ausgemessene Bohrtiefe einstellen. Das breitere Röhrchen fungiert als Anschlag und verhindert, dass zu tief gebohrt wird. An allen Markierungen können so problemlos gleichmäßige Löcher gebohrt werden. Die einzige Markierung, die nicht gebohrt werden darf, ist die für die Sohlenmitte.

Die Bohrlöcher mit Bindungsleim füllen

Als nächstes werden die Löcher mit Bindungsleim gefüllt. Hier kann anstelle von Bindungsleim aber auch Propellerleim oder Weißleim verwendet werden. Wichtig ist nur, dass die später mit Schrauben besetzten Löcher hier im Ski wasserfest verschlossen werden, um zu verhindern, dass es zu einem Wassereinzug in den Holzkern kommt und dieser als Folge aufquillt. Der Leim hat hierbei keine Haltefunktion. Bis der Leim trocken ist, hat man einige Minuten Zeit die Bindung anzuschrauben.

Die Skibindung richtig anschrauben

Einige Bindungen lassen sich im Walk Modus öffnen, wodurch die vorderen Schraubenlöcher zugänglich werden. Diese werden zuerst fest angeschraubt, da sich ansonsten der Automat nicht nach vorne schieben lässt. Man sollte außerdem vorher darauf achten, ob es unterschiedliche Schrauben für unterschiedliche Löcher gibt oder ob alle gleichlang sind.  

Nun kann die Bindung in den Abfahrtsmodus umgestellt werden und nach hinten geschoben werden, wodurch die Schraubenlöcher in der Mitte auch freigelegt werden. Mit insgesamt fünf Schrauben wird der vordere Automat festgeschraubt. Es gibt keine bestimmten Anzugsdrehmomente, sondern da es Holzschrauben und ein Holzkern sind, muss man mit Gespür arbeiten, um die Schrauben nicht zu überdrehen. 

Die hintere Platte wird in die Richtung montiert, dass der Anschlag, an dem später die Steighilfe einschlägt, nach hinten zeigt. Die Schrauben können mit einem Akkuschrauber befestigt werden, jedoch muss hier der Drehmoment niedrig gestellt werden und die Abschlussfestigkeit sollte mit der Hand angezogen werden. Die Bindung sollte, wenn alles korrekt montiert ist in den Abfahrtsmodus einsteigen und fest sein.

Den Skistiefel auf die Bindung einrichten

Als nächstes kann der Skistiefel auf die Bindung eingerichtet werden. Beim Einrichten von Freeride- und Touren-Bindung ist wichtig zu wissen, dass die Schuhe und auch die Bindungen im vorderen Bereich nicht alle nach ISO-Norm gebaut sind. Deswegen muss geprüft werden, ob der Schuh zu der Bindung passt.

Bei der Marke EPF-Bindung heißt das, dass ich mir angucken muss wie hoch der Pressdruck im vorderen Bereich ist. Dazu nehme ich Backpapier, lege es vorne hinein und setze den Stiefel in die Bindung. Das Backpapier sollte sich jetzt mit Widerstand rausziehen lassen. Ist dies nicht der Fall, kann vorne eine kleine Schraube geöffnet werden bis es funktioniert. Die richtige Einstellung des Anpressdrucks ist enorm wichtig, da es sonst zu Fehlauslösungen der Skibindung kommen kann. 


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