Skischuh Flex richtig wählen

Ein wichtiger Punkt bei der Auswahl des richtigen Skischuhs ist der Skischuh-Flex. Steffen Heycke von Craftski & Boards erklärt euch was der Flex überhaupt ist und wie ihr den richtigen Flexwert und den passenden Schuh für euch findet. 

Der Flex-Wert wird im Allgemeinen vom Hersteller auf dem Skischuh angegeben. Es gibt hohe Flex-Werte wie 140, aber auch Schuhe mit einem niedrigeren Wert von 100. Schwierig ist hierbei, dass die Flex-Werte nicht normiert sind, das heißt jeder Hersteller legt für seine Schalen den Wert individuell fest.

Wie flexibel der Schuh tatsächlich ist, lässt sich auch nicht durch Handkraft feststellen, sondern man muss sich auf die Angaben des Herstellers verlassen. Meistens bewegen sich die Werte allerdings herstellerübergreifend in einem sehr ähnlichen Bereich. 


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Wie kommt der Flex-Wert zustande?

Der Flex-Wert setzt sich aus zwei verschiedenen Komponenten zusammen. Zum einen aus dem Material und zum anderen aus der Ankoppeln der oberen Schale and die untere Skischuhschale. 

Ein Skischuh, der mit einem hohen Flex-Wert ausgezeichnet ist, ist in der Regel aus einem festeren Kunststoff gespritzt und dickwandiger ausgeführt. 

Bei der Ankoppelung hängt der Flex-Wert davon ab, wie weich die obere Schale ist und wie diese an der unteren befestigt ist. Geschieht die Befestigung durch beispielsweise Power Locks, dann wird die Bewegung der Oberschale gegen den Unterteil zusätzlich mechanisch arretiert. Die Bewegbarkeit nach vorne wird deutlich steifer.

Alles über Flex auch im Video

Welchen Flex-Wert benötigst du?

Um den benötigten Flex-Wert zu bestimmen gibt es verschiedene Herangehensweisen:

Gewicht des Fahrers

Für eine Annäherung an den Wert kann sich am Gewicht des Fahrers orientiert werden. Hier gilt Fahrergewicht x 1,3. Allerdings stößt das System bei einem beispielsweise sehr großen und schlanken Fahrer an seine Grenzen, denn hier würde der Wert nicht mehr übereinstimmen. 

Einsatzzweck des Skischuhs

Viel wichtiger bei der Wahl des richtigen Flex-Wertes ist jedoch der Einsatzzweck des Skischuhs und die Größe des Fahrers. Wird der Skischuh zum komfortablen Genussfahren verwendet, dann wird kein harter Flex benötigt. Ein weicherer Skischuh reicht aus. Dieser ist nicht nur in der Anschaffung etwas günstiger, sondern lässt sich auch einfacher anziehen. 

Soll der Skischuh allerdings beim Carven auf harten Pisten zum Einsatz kommen, dann empfehlen wir einen höheren Flex-Wert. Grund hierfür ist, dass die Kraftübertragung auf den Ski durch den Flex-Wert beeinflusst wird. Lässt sich der Skischuh also stark verformen, geht dementsprechend viel Kraft verloren, die mit dem Schienbein auf den Ski übertragen werden sollte. Sportlichen Fahrern ist ein höherer Flex-Wert zu empfehlen. 


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Sonderfall All Mountain-Ski

Einen Sonderfall stellen Skischuhe dar, welche für All Mountain Ski und abseits der Piste eingesetzt werden. Hier greifst du am besten zu einem niedrigeren Flex-Wert. Bei einer zu geringen Flexibilität wird der Druck auf den Ski und die Skispitze zu direkt ausgeübt, wodurch der Ski zu stark in den Tiefschnee eintaucht. Gleichzeitig hat der Fahrer eine größere Bewegungsfreiheit im Sprunggelenkt, um auf Geländeunebenheiten zu reagieren. 

Größe des Fahrers

Wie wichtig es ist die Größe des Fahrers zu beachten wird deutlich, wenn man die Länge des Unterschenkels betrachtet. Ein langer Unterschenkel hat eine größere Hebelwirkung auf den Skischuh als ein kürzerer. Das heißt derselbe Flex-Wert wird einem Fahrer mit kürzerem Unterschenkel viel härter vorkommen. Kleinere Fahrer sollten also einen niedrigeren Flex-Wert wählen.

Außentemperatur

Ein wichtiger Punkt, der die Auswahl des Flex-Wertes beeinflusst, ist die Temperatur. Die Skischuhe bestehen in der Regel aus thermoplastischen Kunststoffen, welche ihre Eigenschaften mit den klimatischen Verhältnissen verändern. Der Flex-Wert ist bei sehr kalten Temperaturen deutlich härter als bei Wärme. Angenommen man fährt lediglich im März oder April Ski, sollte man zu einem etwas höheren Flex-Wert greifen, da ansonsten der Skischuh durch die warmen Temperaturen unter Umständen zu weich wird.  

Flexwert und Komfort

Der Flex-Wert hängt nur eingeschränkt mit Komfort zusammen. Ein weicherer Flex bietet dem Sprunggelenk mehr Spielraum und der Schuh lässt sich leichter anziehen mit eingeschlafenen, kalten Füßen oder Druckstellen hat er jedoch nichts zu tun. Dies liegt dann einzig und allein an einem nicht passenden Skischuh.

Zum Abschluss: Beispiele

Beispiel 1: Eine Skiläuferin, 1,70 groß, Gelegenheitsfahrerin aus Hamburg: hier empfehlen wir einen Flex von 100 – der reicht völlig aus und überfordert sie nicht.

Beispiel 2: Steffen, 1,88 groß, sportliche bis sehr sportliche Fahrweise, ständig unterwegs. Hier empfiehlt Steffen sich selbst 140 als Flex, damit die Kraftübertragung auch in hartem Gelände gewährleistet ist.