Walker’s Haute Route

Über die Alpen von Chamonix nach Zermatt

Die traumhaft schöne Haute Route von Chamonix nach Zermatt gilt als die wohl bekannteste Skidurchquerung der Alpen und zieht jährlich etliche Alpinisten aus der ganzen Welt an. Aber nicht nur auf Ski, sondern auch zu Fuß, kannst du die Walliser Alpen auf der Walker’s Haute Route erleben. Wir haben uns die hochalpine Fernwanderung von Chamonix nach Zermatt für dich genauer angeschaut.  

Das Höhenprofil - Walker’s Haute Route

Die Walker’s Haute Route im Überblick

Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Haute Route durch den britischen Alpine Club, dem ältesten Bergsteigerverband der Welt, als Sommerwanderroute ausgezeichnet. Zunächst  wurde sie als „The High Level Route“ benannt. Als die Route dann 1903 das erste mal per Ski erschlossen wurde, konnte sich die französische Übersetzung des Namens durchsetzten. Heutzutage wird die Sommervariante der berüchtigten Haute Route angelehnt daran als Walker’s Haute Route bezeichnet. Die circa 200 Kilometer lange Tour durch die Walliser Alpen mit Startpunkt im französischen Chamonix am Mont Blanc Massiv bis ins Schweizer Zermatt am Matterhorn, führt dich an beeindruckenden Gletschern, blauen Bergseen, wie auch an einigen der ikonischsten und höchsten Bergen der Alpen vorbei. Im Vergleich zu der Ski-Route ist die Wanderstrecke tiefer gelegen und führt nicht direkt über Gletscher. Insgesamt werden auf der Strecke 17.500 Höhenmeter überwunden. Der höchste Punkt der Überquerung ist mit 2987 Metern das Col de Prafleuri, das zwischen der Cabane de Prafleuri und dem Bergdorf Arolla in der französischen Schweiz liegt.


Unsere Alpenkarte mit 1001 Bergen und Wanderwegen

Die Etappen

Als Wanderüberquerung solltet du für Haute Route im Durchschnitt 13 Tagesetappen mit täglich 6-8 Stunden Wanderzeit einplanen. Die Strecke ist ausdauertechnisch anspruchsvoll und alpine Erfahrung ist ebenfalls ratsam. Es ist aber kein Klettersteig und neben guten Wanderschuhen und Trekkingstöcken benötigst du kein weiteres Equipment. Was für Equipment bei einer Fernwanderung aber nicht fehlen darf, haben wir für dich hier zusammengefasst.

Die Walker’s Haute Route is nicht direkt mit einer Kennung markiert und es gibt auch nicht nur den einen Weg, sondern mehrere Variationen. Da das Wegenetz aber an sich sehr gut markiert ist, solltest du keine Orientierungsprobleme haben. Eine analoge Wanderkarte ist zusätzlich dennoch sehr zu empfehlen. Hier ein Überblick über die Etappen:

Mont Blanc
Mont Blanc

Start: Chamonix – Argentière

Die erste Etappe ist vielmehr eine entspannte Einstimmung auf die bevorstehenden Wandertage. Etwa 8 Kilometer geht es mit sehr leichter Steigung und dem beeindruckenden Mont Blanc im Rücken in das französische Skidorf Argentière hinauf. 



1.  Etappe: Argentière – Trient

Von Argentière aus geht es weiter bergauf durch die Ortschaften Montroc und Le Tour zum 2.195 Meter hohen Gebirgspass Col de Balme. Hier lässt du Frankreich hinter dir und betrittst Schweizer Boden. Der offizielle Grenzübergang ist mit einem Stein markiert.  Es folgt der Abstieg in das kleine idyllische Bergdorf Trient. Hier überschneidet sich die Route mit dem Fernwanderweg Tour du Mont-Blanc, weshalb die Hütten meist sehr voll sind. 

Trient Schweiz
Trient

2. Etappe: Trient – Champex

Der Aufstieg zum 2.665 Meter hohen Fenêtre d’Arpette ist steil und anstrengend, belohnt einen aber mit spektakulären Blicken auf den zerrissenen Trient Gletscher. Nahe des Gipfels kann es sein, dass du auf Restschneefelder stößt, bei denen Trittsicherheit gefordert wird. Durch Wälder und entlang an Bächen geht es zu dem am Bergsee gelegenen Dorf Champex-Lac, welches sich gut für eine Übernachtung anbietet. 

3. Etappe: Champex – Verbier

Nach dem anstrengenden Aufstieg, kannst du dich auf dieser Etappe etwas erholen. Es geht größtenteils bergab durch den Taleingang des Val de Bagnes. Hier passierst du in Vollèges, das auf einer Höhe von 820 Metern liegt, den tiefsten Punkt der Fernwanderung. Vorbei an Le Châble, erreichst du dein Ziel des Tages – den Wintersportort Verbier.

Verbier liegt nördlich der vergletscherten Bergmassive des Grand Combins und der Combin de Corbassière. Will man auf dieser Strecke etwas Zeit einspaaren, kann durch das Tal die Bahn genommen werden oder von Le Châble nach Verbier eine Seilbahn.


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Unsere Bergdrucke: Grand Combin

4. Etappe: Verbier – Cabane du Mont-Fort

Nach der Taldurchquerung, folgt der nächste Anstieg über die 2000er Marke. Durch das Skigebiet 4 Vallées geht es zur ersten Berghütte, der Cabane du Mont-Fort. Diese liegt auf 2.452 Metern, direkt unterhalb des gleichnamigen Bergs. An einem klaren Tag kannst du nochmal einen Blick zurück auf den Mont Blanc werfen. 

5. Etappe: Cabane du Mont-Fort – Cabane de Prafleuri

Etappe 6 ist besonders anspruchsvoll. Hier wanderst du die meiste Zeit auf einer Höhe von über 2.700 Höhenmetern über drei Bergpässe: Den Col de la Chaux (2.940 Meter), Col de Louvie (2.921 Meter) und Col de Prafleuri (2.987 Meter). Vom Col de la Chaux tut sich dir ein Blick auf den Grand Désert Gletscher auf. Durch oftmals schneebedeckte oder karge Gerölllandschaft geht es über die Pässe zur Cabane de Prafleuri.

6. Etappe: Cabane de Prafleuri – Arolla

Es geht weiter zum Col de Roux (2.804 Meter) entlang des Ufers des Stausees Lac de Dix. Hier befindet sich die Grande-Dixence-Staumauer, mit 285 Metern die größte Gewichtsstaumauer der Welt. Ein Besuch der imposanten Mauer ist durchaus lohnenswert.

Lac de Dix
Lac de Dix

Über das Col de Riedmatten (2.919 Meter) führt der Weg nach Arolla, einem Ort oberhalb des Tals Val d’Hérens. Alternativ kann hier auch die Route über den Pas de Chèvre (2.855 Meter) gewählt werden, welche jedoch anspruchsvoller ist, da du hier ungesichert eine steile Leiter hochklettern musst. 

7. Etappe:  Arolla – La Sage

Nach der anstrengenden 7. Etappe, bietet dieser Abschnitt der Walker’s Haute Route etwas Erholung. Durch grüne Wälder führt die Route zu dem tiefblauen Lac Bleu und durchs Arolla-Tal nach La Sage

8. Etappe: La Sage – Cabane de Moiry

Die Walker’s Haute Route führt dich weiter über den Col du Torrent (2.919 Meter) und zu dem Stausee Lac de Moiry.

Lac de Moiry
Lac de Moiry

Nördlich liegt der Becs de Bosson und südlich die Dent Blanche. Am hinteren Ende des Stausees beim Moiry Gletscher liegt die Cabane de Moiry auf 2.825 Metern Höhe. Von hier bietet sich einem ein direkter Blick auf den Grand Cornier (3.962 Meter). 



9. Etappe: Cabane de Moiry – Zinal

Von der Cabane de Moiry aus wird der Pass an der Corne de Sorebois (2.895 Meter) überquert. Vom Gipfel aus kannst du einen tollen Panoramablick auf die umliegenden Berge wie beispielsweise die Weisshorngruppe genießen. Über Bergwiesen und vorbei an Kühen steigt die Walker’s Haute Route hinab in den Ski-Ort Zinal

Zinal
Zinal

10. Etappe: Zinal – Meiden

Nach Zinal überschreitest du mit dem Forcletta Pass (2.874 Meter) eine weitere Grenze, die von der französischen Schweiz in die deutsche Schweiz. Über grüne Almen geht es talabwärts Richtung Meiden beziehungsweise dem Turtmanntal.

11. Etappe: Meiden – Sankt Nikolaus

Mit dem Augstbordpass (2.893 Meter) begegnest du dem letzten der insgesamt 11 Alpenpässe, die du auf der Walker’s Haute Route von Chamonix nach Zermatt überquerst. Er führt dich vom Turtmanntal ins Mattertal, wo du in der Gemeinde Sankt Nikolaus einkehren kannst. Der Blick beim Abstieg in das Mattertal ist atemberaubend. Optional lässt sich bei der Etappe ein Abstecher zum 3.200 Meter hohen Schwarzhorn einplanen, welches du bei der Überquerung passierst. 

Matterhorn Zermatt
Matterhorn

12. Etappe: Sankt Nikolaus – Zermatt

Der 19 Kilometer lange Endspurt durchs Mattertal nach Zermatt steht bevor. Du kommst an einigen Ortschaften vorbei bevor du circa 45 Minuten vor Zermatt das erste Mal das Matterhorn erblickst. In Zermatt erwartet dich dann der beeindruckende Blick auf den berühmten Berg. 


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Unsere Bergdrucke: Matterhorn

Die Berghütten

Unterwegs gibt es genügend Bergdörfer mit Pensionen, so dass der Weg beliebig nach Fitness-level angepasst werden kann und du immer eine Übernachtungsmöglichkeit findest. In der Schweiz ist es tatsächlich auch erlaubt oberhalb der Waldgrenze und nicht in Gruppe sein Zelt aufzuschlagen. Dies ist jedoch nicht nötig, da du bei den Etappen, die nicht an Dörfern vorbeiführen, Unterkunft in den Berghütten finden kannst. 

Cabane du Mont-Fort

Die rustikale Hütte, die auch als Berggasthaus dient bietet einen beeindruckenden. Blick auf den Mont Blanc. Sie hat eine Kapazität von 56 Schlafplätzen und ist von Januar bis April, sowie von Juli bis August geöffnet. 

Cabane de Prafleuri

Die Cabane de Prafleuri, oberhalb der Combe de Prafleuri ist eine relativ neue Hütte. Sie bietet Platz für 59 Personen. Geöffnet ist die Hütte von März bis April und von Juli bis September.

Cabane de Moiry

Die sehr moderne Berghütte Cabane de Moiry am Fuße des Grand Cornier bietet ein atemberaubendes Panorama. Die Unterkunft umfasst 104 Betten und ist im Juli und August geöffnet.

Schwierigkeiten

Besondere Schwierigkeit ist die Länge der Fernwanderung und die Höhenmeter die überwunden werden müssen. Dies darf keinesfalls unterschätzt werden. Ein hohes Maß an Kondition ist definitiv ein Muss. Die Restschneefelder und die Geröllhänge fordern viel Trittsicherheit. Die anspruchsvollen Stellen mit leichter Kletterei sind ebenfalls ein Risiko, können sich aber leicht umgehen lassen, falls du dir diese nicht zutraust. Eine weitere Gefahr ist, wie bei jeder Wanderung in den Bergen das schnell umschlagende Wetter, gutes Equipment und Vorsicht solltest du auf jeden Fall für die Walker’s Haute Route mitbringen. 

Reiseführer und Erfahrungsberichte

Es gibt viele gute Reiseführer mit Wanderkarten, wie zum Beispiel von Rother, oder die Englische Variante von Cicerone, die dir bei deinem Abenteuer „Walker’s Haute Route“ definitiv von Nutzen sind. Björn von St. Bergweh ist die Strecke selbst gewandert und hat einen tollen Multimedia Reisebericht mit atemberaubenden Bildern veröffentlicht und auf seiner Website findet ihr zudem einen Blogeintrag mit interessanten Informationen und den zehn wichtigsten Erkenntnissen zur Walker’s Haute Route. Einen weiteren informativen Erfahrungsbericht gibt es von Awesomatik, der dir ebenfalls einen guten Eindruck über die Route vermittelt.