Am südlichen Ende der Weisshorngruppe erhebt sich mit dem Ober Gabelhorn der niedrigste Viertausender der Kette. Seine Pyramidenform und die drei Gipfelgrate weisen große Ähnlichkeiten mit dem benachbarten Matterhorn im Süden auf – nur in leicht verkleinertem Maßstab.
Da das Ober Gabelhorn auf allen Seiten steil aufragt, gibt es keine leichte Routen zum Gipfel. 1865 gelang Adolphus Warburton Moore, Horace Walker und Jakob Anderegg der erste Aufstieg auf den Berg über die Ostwand. Einen Tag nach ihnen, am 7. Juli 1865, kamen Francis Douglas, Peter Taugwalder und Joseph Viennin ebenfalls auf dem Gipfel an. Sie waren über den Nordnordwestgrat aufgestiegen und wussten nichts von der anderen Expedition. Auch wenn diese „Zweitbesteigung“ mit Sicherheit eine Enttäuschung war, kam es erst eine Woche später zu einem wirklich tragischen Vorfall. Nach der Erstbesteigung des Matterhorns war Francis Douglas unter den Bergsteigern, die beim Abstieg zu Tode kamen (S. 122). Die stark vergletscherte Nordwand des Ober Gabelhorns wurde 1930 von Rudolf Schwarzgruber und Hans Kiener erstmals erfolgreich durchstiegen.