Schon in meiner Jugend habe ich Karten gesammelt

 – Jochen Schneider von Alpenkarte.eu im Interview –

Wenn man zu Kartenmaterial der Alpen recherchiert, stößt man fast zwangsläufig auf Alpenkarte.eu. Die Webseite ist super, um die Struktur der Alpen und der verschiedenen Gebirgsgruppen zu verstehen. Wir haben dann herausgefunden, dass die Karte nicht nur die Alpen beschreibt, sondern auch in den Alpen entsteht. Jochen, der hinter Alpenkarte.eu steckt, ist ein passionierter Bergliebhaber, Bergsportler, und Geograph. Sehr spannend! Deshalb hier: unser Interview.

Jochen, wie kamst du auf die Idee mit Alpenkarte.eu?
In meiner Jungend habe ich topografische Karten gesammelt, als ich dann als Informatikstudent auf OpenStreetMap aufmerksam wurde, war ich sofort fasziniert von der Möglichkeit eigene Karten herstellen zu können. Als Hobby habe ich noch Software zum Planen und für’s Handy hinzugefügt bis ich irgendwann die Chance erkannt habe damit aus dem IT-Berater-Dasein auszubrechen und von und mit der Outdoor-Branche zu leben.

Ein Ausschnitt der Karte, mit vorgeschlagenen Routen

Was genau bietet ihr an und wer nutzt den Service?
Wir bieten digitale Bergsportkarten für unterwegs als Ersatz für die klassischen topografischen Karten der Verlage und zusätzlich ein System um Routen zu verwalten. Der Service wird hauptsächlich von Reiseveranstaltern genutzt, aber uns ist es auch wichtig die gleiche Funktionalität den privaten Freizeitsportlern anzubieten und zwar ohne Werbung und ohne Daten zu sammeln.

“Für mich steht immer die Einsamkeit und Abgeschiedenheit im Vordergrund”

Was ist dein persönlicher Bezug zu den Alpen? Bist du in den Bergen aufgewachsen?
Ich bin am Rande des Schwäbisch-Fränkischen Waldes, einem kleinen Mittelgebirge, aufgewachsen wo ich den Beginn des Mountainbike-Trends in Deutschland als Teenager miterlebt habe. Die Urlaube führten meine Freunde und mich dann in die Berge wo ich nach und nach mit allen Disziplinen der Bergsports in Kontakt bekommen bin. Die Kletterfelsen in der Nähe meines Studienortes Passau und die Berge des Bayerischen Waldes haben mich z.B. zum Klettern und zum Skitourengehen gebracht.

Gibt es eine Lieblingsregion von dir?
Die eine Lieblingsregion gibt es nicht, aber mir kommen bei der Frage spontan der Karwendel, die Berchtesgadener Alpen und die Dolomiten in den Kopf.

Du machst unglaublich viel Sport und fast jedes Wochenende eine Tour. Was hast du noch nicht gesehen und möchtest du unbedingt machen?
Ich habe noch sehr viele Berge und Routen auf meiner Wunschliste. Aber es steht kein namhafter Gipfel auf der Liste. Für mich steht immer die Einsamkeit und die Abgeschiedenheit im Vordergrund. Daher kann mich eine einsame unverspurte Skitour in den einheimischen Bergen mehr begeistern als ein bekannter grosser Gipfel.

Wo bist du mal an deine Grenzen gekommen?
Da fallen mir mehrere Ereignisse ein. Ein Sturz über eine Bergkante mit dem Mountainbiken, das Klettern einer ganzen Seillänge ohne Zwischensicherung weil wir in der falschen Route waren, das Ausrutschen auf einem steilen Sommer-Schneefeld, die Liste könnte ich noch weiterführen. Es gab da einige Momente, die ich mir hätte sparen können. Aber diese werden im Laufe der Jahre durch die zunehmende Erfahrung immer seltener.

“Die Stadtbewohner mit ihren guten Jobs dürfen von den Bewohnern der Bergtäler nicht erwarten, dass sie bitte arm bleiben und die Natur ursprünglich lassen”

Bist du zufrieden, wie sich die Alpen entwickeln?
Ich bin nicht froh über die Tendenz die Berge immer mehr als Funpark auszubauen. Der Reiz der Berge besteht für mich darin, dass die Natur dir eine schwierige Aufgabe stellt. Dann versuchst du sie zu lösen, genauso wie sie ist. Ohne künstliche Aufstiegshilfen, ohne Vereinfachung durch Drahtseile, etc. Wenn man eine Aufgabe nicht schaffen kann ist das völlig in Ordnung, das spornt an sich selbst weiterzuentwickeln.
Aber ich verstehe auch die Tourismusregionen. Die Stadtbewohner mit ihren guten Jobs dürfen von den Bewohnern der Bergtäler nicht erwarten, dass sie bitte arm bleiben und die Natur ursprünglich lassen, damit alles schön urig aussieht wenn sie im Urlaub vorbeikommen. Auch die Bewohner der Berge haben ein Recht auf ein gutes Auskommen. Und sind selbst sicher am meisten daran interessiert die Natur zu erhalten. Die Nachfrage nach vielen künstlichen Freizeitmöglichkeiten schafft das Problem, dazu zähle ich übrigens auch Skilifte.

Was wünscht du dir für die Zukunft?
Für mich persönlich ein bescheidenes gesundes Leben mit vielen Freiheiten. Im Grossen wünsche ich mir, dass der Naturschutz in der internationalen Politik an oberster Stelle steht. Naturschutz hört sich so nach ‘Gutmenschentum’ an, darum kann man sich mal kümmern wenn man gerade sonst keine Probleme hat. Aber eigentlich geht es dabei um den Schutz der Menschheit, die Natur braucht uns nicht und wird die Menschen irgendwann vergessen und deren Schäden ausgeglichen haben.

 

Alpenkarte mit über 600 SkigebietenDie erste länderübergreifende Karte der Alpen mit mehr als 600 Skigebieten (≥ 5 Pistenkilometer).