Lhotse

– Der andere Everest –

Nicht zu übersehen, erhebt sich der Lhotse direkt neben dem Mount Everest im Himalaya an der Grenze zwischen Nepal und China, beziehungsweise Tibet, in die Höhe. Unmerklich kleiner und ebenfalls imposanter Natur ist er mit einer Höhe von 8516 Metern der vierthöchste Berg der Welt und einer der schweren Achttausender. Als Nachbargipfel zum bei Touristen immer beliebteren Mount Everest gewinnt der weniger frequentierte Lhotse immer mehr an Popularität und gilt auch als der „andere Everest“. Was Mount Everests kleinen Bruder auszeichnet, haben wir uns für dich genauer angeschaut.

Mount Everest, Lhotse und Lhotse Shar

Der Lhotse befindet sich circa 80 Kilometer von Kathmandu entfernt in der Khumbu Region, im Mahalangur Himal, dem höchsten Gebirgsmassiv der Welt, wozu mit dem Mount Everest, dem Makalu und dem Cho Oyu drei weitere Achttausender zählen. Seinen Namen trägt der Berg aufgrund seiner Lage südlich des Mount Everest, denn in tibetisch bedeutet Lhotse soviel wie Südspitze. Die beiden Berge sind sich sogar so nah, dass sie über den 7986 Meter hohen Südsattel des Mount Everest direkt verbunden sind. Hierdurch ergibt sich die Besonderheit, dass der Lhotse der einzige Achttausender ist, der nicht ultraprominent ist. Das heißt, seine Schartenhöhe liegt deutlich unter 1500 Meter Höhe. Nur knapp macht das den Lhotse zu einem eigenständigen Berg, denn für den Himalaya gilt, dass Berge mit einer Schartenhöhe von unter 500 Metern als Nebengipfel gelten.

Zahlen & Daten

Höhe: 8.516 m (27.940 ft)
Schartenhöhe (Prominenz): 610 m (2.000 ft)
Orometrische Dominanz: 7
Gebirgsgruppe: (Mahalangur Himal)
Land / Region: Tibet, China & Khumbu, Nepal
Erstbesteigung:1956

So hat der Lhotse selbst einen über 8000 Meter hohen östlichen Nebengipfel, den Lhotse Shar und einen westlichen und östlichen Zwischengipfel, welche beide Lhotse Middle genannt werden. Zur Südseite des Berges fällt eine extrem steile 3300 Meter hohe Felswand ab, die eine besonders große Herausforderung bietet und erst 1990 das erste mal bezwungen wurde. 

Zwei Berge, eine Aufstiegsroute 

Eine andere Möglichkeit den Hauptgipfel zu erreichen, ist über den Südanstieg des Mount Everest. Dies gilt auch als die Normalroute. Wieder wird deutlich, wie dicht beieinander die beiden Berge stehen, denn bis auf eine Höhe von etwa 7800 Metern sind die Aufstiegsrouten identisch. Jährlich versuchen circa 800 Bergsteiger den Mount Everest zu besteigen, was ihn zu einem der populärsten Achttausendern macht. Dies bekommen auch diejenigen zu spüren, die den Lhotse erklimmen wollen, denn es ist bekannt, dass die beliebte Südroute besonders überfüllt ist und es teilweise zu Staus kommt.  


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Auch aus diesem Grund wird der Lhotse immer attraktiver für Bergsteiger, die eine ähnliche Herausforderung wie den Mount Everest suchen, beinahe den selben Weg bewältigen wollen, aber die Menschenmassen auf dem Gipfel vermeiden zu hoffen. Trotz der zunehmenden Beliebtheit haben bis heute weniger als 500 Menschen den Gipfel des Lhotse erreicht, da die Route äußerst anspruchsvoll ist. 

Der Weg zum Gipfel über die Normalroute

Der Aufstieg zum Gipfel des Lhotse beginnt im Mount Everest Base Camp und führt zunächst über den Khumbu-Gletscher. Dieser ist ständig in Bewegung, wodurch sich der Weg von mal zu mal  ändern kann. Gletscherspalten und Seracs stellen hier eine besondere Gefahr dar, bevor man Camp 1 und das Tal des Schweigens erreicht. Das Tal des Schweigens ist das höchstgelegene Tal der Erde und wird von Mount Everest, Nuptse und Lhotse eingeschlossen, wodurch es besonders windstill und dadurch auch besonders leise ist. Nach Camp 2 folgt der erste Kontakt mit dem Lhotse, denn es gilt die steile, sehr vereiste Lhotse-Flanke über das Gelbe Band, einer besonderen Gesteinsformation, zu erklimmen. Am Südsattel trennen sich die Routen von Mount Everest und Lhotse. Links geht es über die Südflanke zum Gipfel des Mount Everest, rechts über den Südsattel und das 50 Grad geneigte Couloir zum Hauptgipfel des Lhotse. 

Das Lhotse Couloir wird auch nach Ernst Reiss als Reiss Couloir bezeichnet. Dieser war mit Fritz Luchsinger Teil der Schweizer Expedition, denen 1956 die erste erfolgreiche Besteigung des Lhotse über die Normalroute glückte. Wie auch bei dieser Expedition geschehen ist es nicht unüblich, nach erfolgreicher Tour auf den Lhotse, auf dem Rückweg ebenfalls den Mount Everest Gipfel zu besteigen. 

Die Herausforderungen am Lhotse

Die erste erfolgreiche Besteigung des Lhotse Shar, dem östlichsten Gipfel folgte 1970 über den Südostgrat. Seitdem haben nur eine Handvoll weitere Leute diesen Gipfel erklommen. Viele Eiswände, zerklüftete Felsen und extreme Wetterbedingungen lassen den Lhotse Shar mit einer Todesrate von 50%, also dem Verhältnis zwischen Todesfällen und erfolgreichen Auf- und Abstiegen, zum tödlichsten Achttausender werden. Die Zwischengipfel sind ebenfalls schwierig zu erreichen, da kein direkter Grat zu ihnen führt. Der westliche Lhotse Middle konnte 2001 erstmalig erreicht werden, der östliche Gipfel bleibt allerdings bislang unbestiegen. 


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Die Skiabfahrt des Polen Andrzej Bargiel vom K2 im Sommer 2018 erregte viel Aufsehen. Den beiden Amerikanern Hilaree Nelson und Jim Morrison gelang am Lhotse mit ihrer Abfahrt durch das Reiss Couloir auf Skiern ein ähnliches Kunststück.