Der Vinschgau

– Zwischen kulinarischer Vielfalt und König Ortler –

Ein Tal inmitten der Alpen mit üppigen grünen Wiesen und Weiden, unzähligen Apfelbäumen und Weinreben, mit atemberaubender Natur, gesäumt von hohen Gebirgen, dazu fast nur Sonnenschein und nicht zu vergessen tibetische Yaks  – das klingt gar surreal, doch genau das beschreibt treffend die historische Kulturregion Vinschgau in den Südtiroler Alpen an der Grenze zur Schweiz und Italien.Nicht nur optisch und kulinarisch kommt man hier auf seine Kosten.  Ob Familien, Wanderer, Extremsportler oder historisch Interessierte – im Vinschgau gibt es für sie alle viel zu entdecken.

Das besondere Klima des Vinschgau

Was das Vinschgau zu einem so vielfältigen Naturparadies werden lässt, ist vor allem seine einzigartige Lage und das damit einhergehende inneralpine Trockenklima. Das Vinschgau befindet sich klimatisch geschützt genau in der Mitte der breitesten Stelle der Alpen, umgeben von hohen Bergzügen wie den Ötztaler Alpen und den Ortler-Alpen. Hierdurch wird das Vinschgau zu einem der trockensten und mildesten Täler der Alpen. Durch die häufig sehr steilen Talhänge entsteht der für das Vinschgau charakteristische Fallwind, der sogenannte Vinschger Wind, welcher für schönes Wetter und klaren Himmel sorgt. 

Die Ausrichtung des Tals vom westlichen Reschenpass bis kurz vor die weiter östlich liegende Stadt Meran schafft einen enormen Unterschied zwischen den Gebirgsketten auf nördlicher und südlicher Seite. Der Nördersberg,  der sich, wie der Name bereits ahnen lässt, im Norden befindet, ist sehr schattig und besonders durch Wälder und Wiesen geprägt. Der südliche Sonnenberg hat karge Hänge und bleibt sogar im Winter größtenteils frei von Schnee. Die Sonnenlage eignet sich besonders für den Wein und Obstanbau.

Die Waalwege

Da es so selten regnet, müssen die Felder und Wiesen, welche zugleich bedeutende Nutzflächen in der Region sind, künstlich bewässert werden. Heutzutage ist dies technisch keine große Herausforderung mehr. In der Vergangenheit musste von der Bevölkerung dagegen unter hohem Aufwand ein circa 600 Kilometer langes Wassersysteme zur Versorgung der Agrarfläche gelegt werden. Diese sogenannten Waale sind zwar nicht mehr in Gebrauch, können jedoch bei wunderschönen Wandertouren in der Natur immer noch bestaunt werden.  

Der Reschensee und Reschenpass

Eine architektonische Kuriosität ist am Reschensee im Westen zu begutachten. Mitten im Stausee, der das Wasser der durch das Tal fließenden Etsch sammelt, ragt die Spitze des Kirchturms von Graun empor. Ein Überrest, der an Alt-Grauns tragisches Schicksal erinnert. 1950 wurde die Stauung des Reschensees angeordnet, wodurch das gesamte Dorf überflutet wurde. Die Regierung berief sich dabei auch auf Verträge, die zur Zeit der faschistischen Herrschaft in Italien abgeschlossen wurden.

Nun als Wahrzeichen geltend, steht der Kirchturm unter Denkmalschutz. Viele, die vom Norden ins Vinschgau reisen, werden wohl schon an ihm vorbeigefahren sein, denn die Straße des Reschenpass, welche Nord- und Südtirol verbindet, führt direkt am Seenplateau vorbei. Die Gegend rund um den Reschenpass bietet viele Möglichkeiten für anspruchsvolle Skitouren auf Berge, wie den Grionkopf oder den Glockhauser, oder aber Pistenabfahrten im Skigebiet Schöneben-Haideralm.

Der Ortler im Nationalpark Stilfser Joch

Der bekannte Nationalpark Stilfser Joch, eines der größten Schutzgebiete Europas, liegt ebenfalls im Vinschgau. Der gleichnamige Bergpass verbindet die Region mit der italienischen Lombardei. Das Stilfser Joch gilt als einer der höchsten Alpenpässe. Dies ist nicht überraschend, bedenkt man, dass er sich in den Ortler-Alpen befindet, dessen höchster Berg, der Ortler, mit einer Höhe von 3905 Metern zugleich die höchste Erhebung in Südtirol ist. Der schneebedeckte Berg, der auch König Ortler genannt wird, thront imposant über die Ortschaften Sulden und Trafoi.

In unmittelbarer Nähe erhebt sich die Königsspitze, der zweithöchste Gipfel der Ortler-Alpen. Viele Wanderer und Bergsteiger werden von den felsigen Graten und den schönen Almen angezogen. Der aus Südtirol stammende Reinhold Messner ist großer Fan der Region, so dass er hier bei Sulden einen der Standorte des Messner Mountain Museum, das MMM Ortles, eröffnete. Darüberhinaus begann Messner sogar damit, tibetische Yaks am Berg anzusiedeln, die er alljährlich auf die Alm treibt. Nördlich des Suldentals ragt die Tschenglser Hochwand empor, an deren Südflanke schwierige Klettersteige zu finden sind. Von hier aus hat man zudem einen tollen Blick auf den Ortler und die Königsspitze.



Die traditionelle Vinschger Küche

Nicht nur exotische Rinder sind Attraktion auf den Almen. Auf der Prader Alm können Wanderer zum Beispiel Zeuge der hochalpinen Käseproduktion des leckeren Vinschger Almkäses werden. Da das Tal so fruchtbar ist, können allerlei andere Lebensmittel wie Spargel, Kartoffeln, Marillen, Birnen und nicht zu vergessen die berühmten Vingscher Äpfel, angebaut werden. Diese gedeihen im hiesigen Klima nämlich besonders gut, weshalb sich insgesamt etwa 1700 Bauernfamilien der Apfelproduktion widmen.

Diese Vielfalt spiegelt sich dementsprechend auch in den Rezepten der Vinschger Küche wider. Von deftigen Gerichten aus Hammelfleisch, dem sogenannten Schöpsernes, über Marillenknödel bis zu süßen Nachspeisen wie der Vinschger Schneemilch ist alles zu finden. Eine weitere Spezialität ist der Vinschgauer Fladen, der vor Ort auch als Vinschgerl bezeichnet wird. Dieses Sauerteig- und Roggengebäck wird speziell zubereitet und mit Gewürzen wie Kümmel und Brotklee verfeinert. Wein und Obstbrände aus der Region sind ebenfalls besonders beliebt.

Rituale und Bräuche der Region

Im Vingschau lassen sich noch ganz andere kulturelle Traditionen entdecken. In Stilfs findet jährlich zu Nikolaus der uralte Klosn Brauch statt. Ein Lärmritual, bei dem sich die Menschen in aufwändigen, teils furchteinflößenden aber dennoch bunten Kostümen als Fabelwesen verkleiden. In Masken und Fellen gekleidet, ziehen die Stilfser mit Glocken durch die Ortschaft und werden dabei vom Nikolaus und seinem Rutenträger begleitet.

Und auch zur Faschingszeit finden in der Region traditionelle Lärmrituale zum Austreiben des Winters statt. Wieder in bunten Masken und Kostümen verkleidet, findet die Begrüßung des Frühlings statt. Von Ortschaft zu Ortschaft finden sich dabei oft vollkommen unterschiedliche Feste und Rituale, die begangen werden. 



Wer also nicht nur Aktivurlaub machen will, sondern dabei viele kulturelle Einblicke in das traditionell geprägte Vinschgau erhalten möchte ist hier genau richtig und willkommen.